Tagesablauf

Ein typischer Tag auf dem Bauernhof
ein Bericht von Steffen

5.45 Uhr
Ich krieche aus den Federn. Manchmal bin ich schon erstaunt, dass es jetzt so leicht geht. Früher bin ich um die Zeit erst ins Bett....

morgens
Kühe melken, Kälber tränken und sauber machen ist in der Regel der erste Job. Ich mag den warmen Geruch der Tiere, ihre wohligen Geräusche. Die rauen Zungen der Kälbchen. Nur der Geruch ist mir manchmal zuwider. Ich hab ja noch nicht mal Kaffee getrunken.....

8.00 Uhr
Frühstück, alle zusammen. Wir besprechen, was heute alles zu tun ist, wer was macht. Am Anfang war es ungewohnt, jetzt beginne ich den Tag gerne gemeinsam. Außerdem ist es ein gutes Gefühl: so früh am Tag und schon was geschafft!

vormittags
Ich miste den Pferdestall aus, mache die Koppel sauber, füttere die Pferde. Dann steht heute diverse Stallarbeit im Kuhstall an. Ich kehre die Liegeboxen raus, mache die Gitterroste und die Milchkammer sauber, verteile Lecksteine, richte den Melkstand her, fülle die Getreidesilos auf.

12.00 Uhr
Mittagessen. Alle die da sind, essen zusammen. Mir schmeckts und das wundert mich nicht. Danach noch ein Kaffee. Der Bauer legt sich gerne eine Runde hin, ich ziehe wieder los. Mir tut die Arbeit gut. Und es gibt immer was zu tun.

nachmittags
Je nach Jahreszeit stehen verschiedene Arbeiten auf dem Hof an: Waldarbeit im Winter, Feldarbeit, ernten, säen, pflügen, Mist ausbringen, Reparaturen.....

gegen 17 Uhr
trinken wir zusammen einen Kaffee, manchmal bringt die Bäuerin einen Kuchen. Es kommt auch öfter jemand vorbei, vor allem, wenn der Hof einen Laden hat. Überhaupt haben die Leute hier noch Zeit zum Ratschen. Ich find′s schon erstaunlich, dass ich ganz schnell Teil der Gemeinschaft war. Nicht nur auf dem Hof sondern auch im Dorf. Hier guckt dich keiner schräg an, obwohl alle Bescheid wissen. Ich bin für die einfach der Steffen, kein Junkie, kein Dealer, keiner aus dem Knast.

17.30 bis 19.00 Uhr
Wir melken die Kühe, misten, streuen frisch ein, füttern. Es ist ziemlicher Trubel im Stall, dabei ist Ruhe wichtig, damit sie gut Milch geben. Man braucht eine Weile, bis man weiß, welche Kuh mit welcher kann und mit welcher nicht, wie jede heißt und wie man sie gut zum Melkstand treibt. Manche sind störrisch, manche total nett. Ich kann ganz gut mit Tieren. Besser als mit vielen Menschen.

19 Uhr
Es gibt Abendessen, meist eine Brotzeit. Der Bauer trinkt ein Bier, ich eine Apfelschorle. Das nervt mich manchmal, aber so ist es eben. Alkoholverbot.

abends
macht jeder was er will. Ich sehe manchmal mit im Wohnzimmer fern, bin aber auch viel mit den Kindern zusammen. Kinder ist gut, die sind ja auch schon fast erwachsen, machen eine Ausbildung. Das mach′ ich dann als nächstes. Wenn ich hier fertig bin, hole ich meinen Abschluss als Schreinergeselle nach. Wahrscheinlich bleib ich hier in der Gegend.
Diesmal schaffe ich es. Ich hab′ ein gutes Gefühl!

"Ich habe mir das am Anfang ganz anders vorgestellt. Jetzt kann ich nur jedem raten, es selbst auszuprobieren. Ich habe begriffen, dass in jeder Tätigkeit eine Verantwortung steckt."