Prop Therapiezentrum Aiglsdorf

Therapeutisches Konzept

Um zu verdeutlichen, was die Voraussetzungen für ein drogenfreies Leben sind, ist es notwendig, zu reflektieren, welche Funktion das süchtige Verhalten im Leben des Betroffenen hatte, bzw. immer noch hat. Es gilt die Annahme, süchtiges Verhalten dient der Entkopplung zwischen unangenehmen Gefühlen und Lebenswirklichkeiten. Das heißt, durch seine Sucht schafft sich der Patient ein Paralleluniversum, in welchem diese negativen Gefühle ausgeblendet sind und nicht mehr wahrgenommen werden. Im Umkehrschluss ist es demzufolge Aufgabe von Suchttherapie, den Patienten dabei zu unterstützen, den Mut zu finden, dieses Paralleluniversum wieder zu verlassen und in seine Lebenswirklichkeit zurückzukehren und sich dieser zu stellen.

Entscheidend wird dabei sein, wie weit es gelingt, wieder eine Verbindung zwischen den abgespaltenen Emotionen und der tatsächlichen Lebenswirklichkeit herzustellen und diese Verbindung für den Patienten mehr und mehr erträglich werden zu lassen. Es genügt also nicht, sich auf kognitive Ansätze zu verlassen, sondern es ist Aufgabe der Suchttherapie, diese Erkenntnis (über die Symptomatik) mit der Gefühlswelt wieder zu verknüpfen.

Dabei lässt sich das therapeutische Vorgehen in drei wesentliche Schritte unterteilen:

  • Zunächst wird gemeinsam mit dem Patienten vor dem Hintergrund seiner Lebensgeschichte ein funktionales Erklärungsmodell für seine Suchterkrankung erarbeitet. Parallel dazu wird ggf. die Komorbidität erfasst und in einen für den Patienten verstehbaren Zusammenhang mit der Suchterkrankung gesetzt. Zudem dient diese erste Behandlungsphase dem Aufbau einer tragfähigen therapeutischen Beziehung sowie der Ausformulierung der gemeinsamen Therapieziele.
  • Im weiteren therapeutischen Prozess werden innerpsychische und soziale Ressourcen und Risikofaktoren identifiziert, mit dem Ziel, alternative Handlungsstrategien zu entwickeln und zu erproben. Daneben erhalten die Patienten medizinische und psychologische Informationen, die zukünftig helfen können, mit der Erkrankung und ihrer Symptomatik besser zurechtzukommen. Die Patienten sollen quasi Experten für ihre eigene Erkrankung werden. Zusätzlich - und das ist sogar der vielleicht schwierigste Teil der Therapie – gilt es, die „unsichtbare Mauer“ zwischen Erkenntnis auf der einen und Gefühl auf der anderen Seite zu überwinden oder anders gesprochen: die abgespaltenen emotionalen Anteile wieder schrittweise ins Leben des Patienten zu reintegrieren.
  • Abschließend gilt es, die Weiterbehandlung bestmöglich zu planen und sicherzustellen, damit eine solide Basis für die Aufrechterhaltung der Abstinenz geschaffen ist.

Vom Suchtmodell zum Behandlungsziel:

Welche Funktion hatte das süchtige Verhalten im Leben des Betroffenen?

Erklärungen er-
arbeiten, tragfähige therapeutische Be-
ziehungen aufbauen

Erkenntnis und Gefühle in′s Leben reintegrieren

Solide Basis schaffen für Weiterbehandlung und Abstinez