Der Geschäftsführer von Prop

Andreas Czerny
Geschäftsführer

 

„Wachstum um jeden Preis ist nicht der Weg von Prop“

Andreas Czerny ist seit 2011 Geschäftsführer von PROP e. V. Im Interview spricht er über die Entwicklung des Vereins, über die Zukunft und warum auch soziale Einrichtungen Qualitäts- und Prozessmanagement einführen sollten.

I: Herr Czerny, als sie 2011 die Geschäftsführung von Prop übernommen haben, war der Verein bereits über 40 Jahre alt. Damals fast so alt wie Sie selbst. Wie sehen sie die Vergangenheit von Prop?

Cz: Prop ist, wie viele andere Träger auch, in den letzten 20 Jahren massiv gewachsen. Dieser evolutionäre Prozess von einer kleinen, sehr überschaubaren Initiative, hin zu einer Non-Profit-Organisation in mittelständischer Größe, war sicherlich auch eine Entwicklung mit den dazu gehörigen Höhen und Tiefen. Insgesamt wirkte sie auf Außenstehende wie mich in dieser Zeit aber vergleichsweise unaufgeregt, souverän und solide.

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I: Das heißt, aus Ihrer Sicht hat Prop eine gute Entwicklung hinter sich?

Cz: Ja, sicherlich. Prop hat ein enormes Potential an hervorragenden Einrichtungen und vor allem Mitarbeitern. Diese Einschätzung hat mich damals maßgeblich motiviert, die Geschäftsführung zu übernehmen und sie hat sich in der Folge auch uneingeschränkt und voll bestätigt.

I: Ist denn in Zeiten immer knapperer öffentlicher Kassen und steigendem Kostendruck überhaupt noch eine weitere Entwicklung möglich?

Cz: Eine Organisation wie Prop wird nie aufhören sich weiter zu entwickeln. Völliger Stillstand wäre das Aus für jede Lebendigkeit und Innovation. Es ist alles eine Frage von Geschwindigkeit, Sinnhaftigkeit und Richtung. Aus meiner Sicht sind die Zeiten hoch getakteter und schneller Expansion vorbei. Wachstum um jeden Preis ist nicht der Weg von Prop, wir sind keine Discounterkette. Entwicklung muss auch nicht zwangsläufig nur immer Vergrößerung und Ausbau bedeuten. Die Kultur eines Unternehmens muss sich entlang einer wachsenden Größe genauso mit entwickeln.

I: Heißt das bei Prop gibt es hinsichtlich der Kultur Nachbesserungsbedarf?

Cz: Prop ist für mich wie ein lebendiger Organismus. Eine vielschichtige Ansammlung von Individuen, Gruppierungen, Interessen und Bedürfnissen. Das alles unter einen Hut zu bekommen, zusammenzuschweißen, die gemeinsamen Nenner zu finden, zu definieren und nach innen wie außen zu kommunizieren sehe ich als eine meiner Hauptaufgaben an. Ich würde das aber nicht unter dem Aspekt eines Defizits sondern eher unter dem einer großen Chance mit hohem Entwicklungspotential sehen.

I: Was sind denn Ihre Pläne und Vorhaben in diese Richtung?

Cz: Wir haben uns zunächst mit der strategischen Ausrichtung beschäftigt. Klar ist natürlich unser oberstes Ziel, möglichst effektive Sucht- und Jugendhilfe anzubieten. Die Frage ist aber, wie wir das am besten erreichen.

I: Und wie können Sie das?

Cz: Wir haben uns viel vorgenommen. Eine Priorität hat für uns die Qualität unserer Arbeit. Deshalb sind wir dabei, sukzessive in jeder Einrichtung Qualitätsmanagement umzusetzen. In absehbarer Zeit wird der gesamte Verein zertifiziert sein, jeder einzelne Teil, nicht nur die Einrichtungen, die es aufgrund der Bestimmungen von Kostenträgern sein müssen. Wirkliche Qualität geht aber weit über ein Qualitätsmanagementsystem hinaus. Auch die Mitarbeiter, ihre Zufriedenheit mit ihrer Arbeit und ihrem Arbeitgeber, ihre Qualifikation und ihre „work-life-balance“ in so einem schwierigen und belastenden Arbeitsbereich sind ausschlaggebend für eine gute Arbeitsqualität. Nur wenn sich die bei Prop Beschäftigten wohlfühlen, werden es auch Klienten und Patienten. Auch die Optimierung der Kommunikationsstrukturen ist uns ein großes Anliegen. Qualität, Fachlichkeit, offene und lebendige Kommunikation ist der Grundstein für eine erfolgreiche Zukunft von Prop.

I: Abschließend: Lange war auch bei Prop das oberste und wichtigste Ziel die völlige Abstinenz, ist das heute noch aktuell?

Cz: Abstinenz ist und bleibt natürlich ein wichtiges und erstrebenswertes Ziel. Es ist aber auch Fakt, dass sie als Ziel nicht für jeden und vor allem nicht zu jedem Zeitpunkt realistisch ist. Betrachtet man eine Abhängigkeit, ist diese einem ständigen Entwicklungsprozess unterworfen. Mal ist die Veränderungsbereitschaft und das Veränderungsvermögen stärker, mal geringer. Dies unterliegt einer hohen Anzahl von verschiedenen und bei jedem Menschen unterschiedlich ausgeprägten Variablen. Über diese Gemengelage an Faktoren, deren Gewichtung und Konstellation wissen wir auch nach wie vor leider viel zu wenig. Deshalb ist es umso wichtiger, entlang der aktuell realistischen Möglichkeiten des Betroffenen das passende Hilfsangebot zu finden, nicht zu unter- aber auch nicht zu überfordern. Prop hält entlang dem Spektrum von der Vorabsichtsbildung zu einer Abstinenz bis zur langfristigen Aufrechterhaltung von einer Abstinenz eine Vielfalt an Beratungs-, Betreuungs- und Therapiemöglichkeiten vor. Unser Ziel ist, eher unsere Kunst „für jeden Topf seinen momentan am besten passenden Deckel zu finden“ aufs Höchste zu verfeinern.