Luise Jost

Luise Jost engagierte sich von Beginn an stark für den Verein und die Süchtigen in der Herrnstraße 22. Sie setzte sich mit der Polizei auseinander, wenn diese mal wieder eine Durchsuchung vornahm. Sie stellte sich vor ihre Schützlinge, wenn die Nachbarn mal wieder Plakate aufhängten mit Parolen wie „Schlagt ihnen die Köpfe ab“. Und sie nahm es hin, dass manche Medien sie als „HaschLuise“ diffamierten. Beirren ließ sich die damals 58-Jährige nicht. Sie ging an die Öffentlichkeit und „haute auf die Pauke“, wie sie später erzählte.

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Den ersten finanziellen Erfolg hatte sie im Dezember 1970. Jost stellte den Rotariern den neu gegründeten Verein vor und bat um Spenden. Die wohlhabenden Herren waren skeptisch – aber spendeten trotzdem. 1972 wurde Prop „in Anerkennung seiner Dienste für das Gemeinwohl“ mit der Theodor-Heuss-Medaille geehrt. Für viele aus dem ehrenwerten Bürgertum Münchens ein Akt der Ungeheuerlichkeit: Ruhm und Ehre für die „Hasch-Luise“ und ihre Truppe, die sich für langhaarige, unge- waschene Junkies einsetzte. Die Ehrung erforderte Polizeischutz, führte aber zu einem neuen Kontakt, der viele Wege öffnen sollte. Das Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München wurde auf uns aufmerk- sam. Die Wissenschaftler wollten mit Prop ein wissenschaftlich fundiertes Therapiekonzept entwickeln. Aus diesem Vorhaben entstand das Therapiezentrum für Drogenabhängige in Aiglsdorf bei Freising. Es war die erste derartige Einrichtung in Deutschland. Luise Jost gab ihre Festanstellung auf und übernahm ehrenamtlich die Geschäftsführung des Zentrums in Aiglsdorf. Sie arbeitete Tag und Nacht. Und sie erreichte viel. Zum Beispiel, dass erstmals Pflegesätze für Drogenkranke gewährt wurden. Immerhin 40 Mark pro Person und Tag.

Die wissenschaftlich gestützte Arbeit in Aiglsdorf lief so erfolgreich, dass weitere Prop-Einrichtungen folgten: die psychosoziale Beratungsstelle in Freising und ein weiteres Therapiezentrum in Baumgarten. So konsequent wie Luise Jost bei der Ausgestaltung von Prop war, so konsequent war sie auch mit ihrem Sohn Eberhard. Er durfte immer nach Hause kommen, fand immer etwas zu essen, Zigaretten und einige Fahrkarten für den Personennahverkehr. Aber zwei Dinge waren strikt verboten: Drogen mitzubringen oder unter Drogeneinfluss daheim einzulaufen. In beiden Fällen setzte Luise Jost ihren Sohn vor die Tür. Einmal auch im Winter bei minus 18 Grad.

Später in Aiglsdorf handelte sie mit gleicher Strenge und erkannte, dass es dazu keine Alternative gibt. Denn ohne Konsequenz, ohne strikte Regeln, die ohne Kompromisse durchgesetzt werden, ist Suchtarbeit nicht möglich. Luise Jost hatte ein Gespür für Themen und für Erfordernisse, sie schaffte mit ihrem Team bei Prop Strukturen und Rahmen- bedingungen für erfolgreiche Drogentherapie. Sie brachte das Thema Suchtarbeit in die Öffentlichkeit. Für viele Konzepte, die heute in der Suchtprävention, -therapie und -begleitung angewendet werden, hat sie den Weg bereitet.